Ein immer größeres Problem besonders für kleine und mittlere Unternehmen: „Woher Fachkräfte nehmen, wenn sie überall fehlen?“

Interview mit rebequa® Programmleiterin Leonora Fricker B.A. über den Fachkräftemangel

Leonora Fricker

Leonora Fricker B.A., rebequa® Programmleiterin (Bild: Fricker)

Düsseldorf, den 11.07.2012 - Schon heute merken selbst kleine und mittlere Unternehmen, wie schwierig es ist qualifiziertes Personal zu finden oder zu halten. Die Altersentwicklung unserer Bevölkerung macht sich immer stärker negativ bemerkbar. Leonora Fricker B.A. ist Programmleiterin von rebequa®, der Initiative für Demographie-Beratung und -Qualifizierung. Fricker zeigt hier Lösungen auf.

Frau Fricker, fehlen denn in Deutschland wirklich so viele Fachkräfte?

Ja, es fehlen bereits heute Fachkräfte in den Berufen Elektromechaniker, -installateure und -monteure, es fehlen Ärzte und Krankenschwestern, Krankenpfleger, Altenpfleger und Erzieher, besonders eng ist der Markt für Physiker, Informatiker sowie für Maschinenbau- und Wirtschaftsingenieure. Und dieser Mangel zeigt sich nicht nur auf dem Land sondern auch immer mehr in kleinen und mittleren Unternehmen in den Ballungszentren. Der Mangel an Akademikern in den sogenannten MINT-Fächern (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik, Anm. d. Verf.) stellt die Zukunft unserer gesamten Volkswirtschaft in Frage.

Worauf führen Sie denn diesen Mangel an Fachkräften zurück?

Da gibt es verschiedene Gründe. Ursache Nr. 1 ist der stete Bevölkerungsschwund. Deutschland hat europaweit schon seit Jahrzehnten die niedrigste Geburtenrate. Entsprechend überaltert und „unterjüngt“ unsere Gesellschaft immer mehr. Nur 34 Prozent der Erwerbstätigen in unserem Land sind jünger als 20 Jahre aber 47 Prozent älter als 60 Jahre alt. Dazu verliert Deutschland jedes Jahr über ein halbes Prozent seiner Bevölkerung, das ist fast ein halbe Million Menschen (!) durch Abwanderung. Da sind die Einwanderer nach Deutschland bereits gegengerechnet. Und die meisten Auswanderer sind jung und hoch qualifiziert.

Aber was kann man denn als Unternehmer gegen diesen Fachkräftemangel unternehmen? Da ist man doch machtlos oder?

Nein, das ist man nicht. Natürlich ist es Aufgabe der Politik die Bedingungen so zu gestalten, dass die negativen Trends sich umkehren. Wenn ein Unternehmen aber darauf warten will, wird es in der Zwischenzeit wahrscheinlich seinen Betrieb wegen Fachkräftemangel eingestellt haben. Eine Demographie-Beratung mit sorgfältiger Analyse der Mitarbeiterstruktur zeigt Potentiale auf, die teilweise ungenutzt auch im Unternehmen schlummern.

Welche Potentiale sind das, die man mit Hilfe einer Demographie-Beratung ausschöpfen kann?

Es gibt drei Personengruppen, die da eine Rolle spielen. Da sind zunächst einmal die älteren Mitarbeiter. Diese mögen vielleicht in ihrem bisherigen Arbeitsgebiet aus unterschiedlichen Gründen nicht mehr optimal leistungsfähig sein. Ihr Wissen und Können, ihre Erfahrung und ihre Motivation stellen aber in einem auf sie abgestellten Arbeitsumfeld einen hohen Nutzen für ein Unternehmen dar. In vielen Berufen sind die Menschen auch noch mit 65 Jahren sehr leistungsfähig, man muss nur die Arbeitsbedingungen dafür schaffen.

Nur mit älteren Menschen werden wir das Problem wohl nicht lösen können?

Da haben Sie Recht. Frauen stellen das größte Potential dar, das von den meisten Unternehmen viel zu wenig genutzt wird. Junge Frauen haben bekanntlich bessere Abitur- und Studienabschlüsse als gleichaltrige Männer. Heute ist in der Altersklasse 25 bis 34 Jahre die Zahl der Akademikerinnen höher als die der Männer.

Was behindert Frauen im Erwerbsleben?

Frauen sind an interessanten Jobs interessiert, die ihnen in Teilzeit oft verwehrt bleiben. Frauen müssen sich gegen alte Stereotypen wehren wie: „Frauen fallen wegen Kinderkriegen aus“, „Frauen kriegen Beruf und Haushalt nicht unter einen Hut “, „Frauen sind für Männerberufe nicht geeignet“. Hier hilft nicht nur der viel besprochene Betriebskindergarten, sondern es gibt eine große Anzahl von Möglichkeiten, die Unternehmen haben um ihre leistungsstarken weiblichen Mitarbeiter nicht nur zu behalten, sondern auch zu fördern. Der rebequa® Demographie-Berater kann hier innovative Ansätze aufzeigen.

Was ist mit Jugendlichen oder ausländischen Fachkräften, sehen Sie da nicht auch Fachkräftepotentiale?

Jugendliche und ausländische Fachkräfte stellen ein weiteres wertvolles Potential dar. Gerade für viele vom Fachkräftemangel betroffene KMU (Kleine und Mittleren Unternehmen, Anm. d. Verf.) können diese Menschen wertvolle Mitarbeiter sein. Leider fallen manche Jugendliche wegen unzureichender Bildungsabschlüsse durch das derzeitige Anforderungsraster.

Welche Tipps haben Sie diesbezüglich für Unternehmen?

Gegen diese Defizite bei Jungen können mit speziellen Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen aber auch mit angepassten Anforderungen entgegengewirkt werden. Wenn Unternehmen ihre Qualität als Arbeitgeber verbessern, werden sie auch erfolgreich Fach- und Führungskräfte aus dem Ausland rekrutieren können. Diversity Management ist hier das Stichwort. Es ist ein erfolgreiches Tool um einen bestehenden Personalbestand für ein Unternehmen zukunftssicher zu entwickeln und neue, qualifizierte Arbeitskräfte zu gewinnen.

Frau Fricker, Sie sind Programmleiterin von rebequa®. Wie kann rebequa® konkret helfen?

Kurz zur Erklärung: rebequa® wurde von der healthpro Unternehmensberatung in Düsseldorf initiiert und von verschiedenen Bundes- und Landesministerien mit Mitteln des ESF-Sozialfonds unterstützt. Wir bieten kleinen und mittleren Unternehmen vor Ort eine Demographie-Beratung und damit eine praktische Hilfestellung für ein nachhaltiges Personalmanagement. Darüber hinaus qualifizieren wir Personalfachleute anhand eines wissenschaftlich fundierten Qualifizierungskonzeptes zu „Demographie-Beratern“. Es können sich also Unternehmen bei uns melden, denen wir mit einer Demographie-Beratung helfen. Aber auch Personalfachleute können sich bei uns zu entsprechenden Beratern ausbilden lassen. Details zu unserem Angebot findet man unter www.rebequa.de.

Vielen Dank für das Gespräch, Frau Fricker.


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(Zeichen mit Leerzeichen: 5.980)

rebequa bietet betriebliche Demographie-Beratung für nachhaltige Personalstrukturen in Unternehmen und Organisationen an. Für diese Beratungen stehen über 800 qualifizierte Demographie-Berater/-innen bundesweit bereit. rebequa zeigt demographisch-ökonomische Perspektiven in den Regionen auf und qualifiziert Führungskräfte.

rebequa® wurde von der Unternehmensberatung healthpro initiiert und von verschiedenen Bundes- und Landesministerien mit Mitteln des Europäischen-Sozialfonds (ESF) unterstützt.