21.02.2017 Akzeptanz schaffen

Interview mit Patricia Lück, Demographie-Beraterin und Referentin Betriebliche Gesundheitsförderung beim AOK-Bundesverband, Berlin

Andrea Pichottka

Demographie-Beraterin Patricia Lück (Bild: Lück)

Berlin, 21. Februar 2017 - Patricia Lück hat Psychologie, mit Fokus Arbeits- und Organisationspsychologie in Berlin studiert und ist seit 2009 Referentin für Betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) beim AOK-Bundesverband in Berlin. Die Diplom-Psychologin ist seit 1993 in der Betrieblichen Gesundheitsförderung tätig, zunächst als BGF-Koordinatorin und Leiterin für das Institut für Gesundheitsförderung Berlin und die AOK Westfalen-Lippe (heute: AOK NordWest). 2008 hat sie die Qualifizierung zur Demographie-Beraterin absolviert. Sie sitzt im Steuerkreis der Initiative Gesundheit und Arbeit (iga) und des Deutschen Netzwerks BGF (DNBGF) und ist Mitglied im Demografienetzwerk (ddn). rebequa sprach mit Lück über den betrieblichen Nutzen von BGF und wie Maßnahmen „an den Mann/die Frau“ gebracht werden.

Hat die betriebliche Gesundheitsförderung einen Nutzen?

Ja, das haben Umfragen ganz klar gezeigt: Betriebliche Abläufe und die Führung sowie die Produktivität und Arbeitszufriedenheit werden verbessert, gleichzeitig senken sich die Ausfalltage und Kosten. Um nur die wichtigsten Optimierungspotentiale zu nennen.

Können Sie den Nutzen quantifizieren?

Studien wie der 28. iga-Report belegen, dass für jeden in BGF investierten Euro ein Gewinn von 2,70 € zu erwarten ist. Voraussetzung hierfür sind langfristige Aktivitäten nach einem qualitätsgesicherten und systematischen Vorgehen.

Sie sind Demographie-Beraterin der ersten Stunde. Welche Möglichkeiten sehen Sie mittels Demographie-Beratung die Gesundheit der Mitarbeiter zu fördern?

Die qualifizierte Demographie-Beratung und BGF haben ein gemeinsames Ziel: die Beschäftigungsfähigkeit bis ins Rentenalter zu erhalten. Mit der Analyse der Altersstruktur und/oder Arbeitsunfähigkeit und der Frage „welche Faktoren im Betrieb erhalten gesund, welche belasten?“ können erste aussagekräftige Ergebnisse erzielt werden.

Mit welchen demographischen Auswirkungen werden Sie auf der betrieblichen Ebene am häufigsten konfrontiert?

Mit dem Fachkräftemangel und Rekrutierungsfragen. In vielen Betrieben mit ländlichen Standorten ist die Übergabe des Expertenwissens von den älteren an die jüngeren Beschäftigten nicht möglich. Daher wächst das Bewusstsein dafür, dass mit einer gesunden Unternehmenskultur nicht nur die Gesundheit der Mitarbeiter, sondern auch die Attraktivität als Arbeitgeber gesteigert werden kann.

Welches Projekt ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Beeindruckt war ich von Projekten, bei denen sich Menschen besonders für die Sache engagiert, sich gekümmert haben. Sie haben es geschafft, Maßnahmen „an den Mann“, „an die Frau zu bringen“, also Akzeptanz für Veränderungen zu schaffen und Vorschläge umzusetzen. Das waren oft Betriebe mit wenigen Mitarbeitern, bei denen es eine überschaubare Hierarchie und einen aufgeschlossenen Chef gab. Aber auch Unternehmen, bei denen BGF im ersten Anlauf als gescheitert galt, haben bei mir Eindruck hinterlassen. Sie haben aus dem „ersten Flop“ die richtigen Lehren gezogen und es dann besser gemacht.

Viele mittelständische Unternehmen schrecken beim Kürzel „BGM“ zurück und assoziieren damit kostenintensive Prozesse. Wie gehen Sie mit dem Vorbehalt um?

Mit Pragmatismus. Nehmen Sie z.B. ein Unternehmen mit 80 Mitarbeitern: alle Beschäftigten sind erreichbar, es gibt wenig Hierarchie, dafür ist eine direkte Kommunikation möglich, die eine schnelle Umsetzung von Maßnahmen und Vorschlägen der Beschäftigten gewährleistet. Bei noch kleineren Unternehmen müssen Maßnahmen angepasst werden und sehr praxisnah sein. Da wird dann eben nicht eine große Befragung oder ein Gesundheitszirkel gemacht, sondern eine Arbeitssituationserfassung, die das Thema in einer Sitzung erfassen kann.

Ergebnisorientierte Zielvorgaben durch Vorgesetzte und moderne Kommunikationsmittel führen bei vielen Beschäftigten zu einem selbstausbeuterischen Einsatz. Was ist Ihre Empfehlung um gesund im Job zu bleiben?

Interessierte Selbstgefährdung ist ein Phänomen der Selbstausbeutung, dem nicht einfach beizukommen ist. Erweiterte Erreichbarkeit für berufliche Belange beispielsweise wird meist gar nicht als Belastung, sondern zunächst als Flexibilität gesehen. Wenn aber Arbeit ständig mit privaten Belangen kollidiert und die Erholung zu kurz kommt hilft es, mit dem Vorgesetzten zu klären, wie viel Erreichbarkeit für beide Seiten akzeptabel ist. Viele Belastungen beruhen auf falschen Annahmen. Diese auszuräumen, hilft Druck abzubauen.

Wie kann ein Betrieb „gesund“ werden? Was ist Ihr Tipp?

Die AOK hat in allen Regionen kompetente BGF- und Demographie-Berater im Einsatz, die Unternehmen dabei unterstützen, Betriebliche Gesundheitsförderung „ins Laufen zu bringen“ d.h. systematisch aufzubauen. Der Betrieb soll befähigt werden, BGF in ein kontinuierliches Gesundheitsmanagement zu überführen. Aber wie es so schön heißt: jede Reise beginnt mit dem ersten Schritt.

Interessierte Betriebe finden Berater unter: www.aok-bgf.de und Praxisbeispiele/Best Practice unter: www.aok-business.de/gesundheit/praxisbeispiele.


Frau Lück, vielen Dank für das Gespräch.


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